Schwarze Bio-Schafe

Paul Jona´c und Stijepo Bistri´c gemeinsamer Freund Murat Demir will in Fürth ein Bio-Restaurant eröffnen.
Die Geschäftsleitung soll Pauls Lebensgefährtin Nicoletta Bottini übernehmen.

Doch Murats Frau Ada ist skeptisch gegenüber Bio-Produkten.
Ist, wo Bio drauf steht, auch tatsächlich Bio drin?

Paul und Stijepo holen Informationen über die Bio-Branche ein.

Nacheiner Demo gegen Greenwashing sprechen sie mit der Organisation der Veranstaltung und erhalten von ihr den Ahuftrag auf einem 'Bio-Hof undercover zu ermitteln.
In das Ermittlerteam sind auch ihre Frauen, Danijele und Nicoletta, eingebunden-

Auf den ersten Blick erscheint der Hof mustergültig, aber dann treten doch die ersten Ungereimtheiten auf.

Erschienen 2025 bei BOD 220 Seiten 11,99 €, E-Book 7,49 €
ISBN NR. 9783769352788

Leseprobe



Kapitel 18: Stijepo Bistrić fotografiert

Stijepo und Danijela Bistrić sowie Privatdetektiv Paul Jonas und seine Lebensgefährtin Nicoletta Bottini ermitteln undercover auf einem Bio-Bauernhof. In der Nacht sollen Schweine geschlachtet werden.

In der Maschinenhalle bot der große Heuwagen das beste Versteck. Dessen Bordwände waren etwa einen halben Meter hoch. Wenn man sich flach hinlegte, war man unsichtbar. Der Hof war menschenleer, da die beiden Chefs mit ihren Leuten nach Fürth zum Feiern gefahren waren. Nur Sokolow und Paul mussten sich irgendwo herumtreiben. So war es kein allzu großes Wagnis, dass ich aus dem alten Stadel einen Heuballen heranschleppte, den ich auf den Wagen warf. Danijela und ich kletterten hinauf, und ich verteilte das Heu in einer Ecke der Ladefläche.
„Na, was sagst du zu meinem Bett?“, fragte ich meine Liebste.
Sie lächelte und sang leise „Ein Bett im Heufeld, das ist immer frei, denn es ist Frühling“.
Wir legten uns in das „Bett“ und kuschelten eng zusammen.
„Hoffentlich passiert dir nichts, Stijepo. Ich bin heilfroh, wenn wir wieder gut zuhause angekommen sind.“
„Deine Sorge ist unbegründet. Und sollte doch etwas passieren, bist du ja auch noch da, meine Tapfere, um die Polizei zu alarmieren.
Danijela küsste mich lange.
Um 19 Uhr hörten wir Autos auf den Hof fahren. Ich schnappte meine Kamera, kletterte vom Heuwagen herunter, spähte durch die Ritzen meines Kistenstapels und schoss unbemerkt meine ersten Fotos. Ein Kühlwagen und ein Golf standen vor dem Schlachthaus. Das Kennzeichen des Golfs konnte ich mittels Zoom in Großaufnahme auf meinen Speicherchip bannen, das des dahinterstehenden Kühlwagens leider nicht. Aus den Autos stiegen Männer in Metzgerkleidung aus. Dies schienen die Russen zu sein, die der Zar bestellt hatte. Sokolow und Paul erschienen auf der Bildfläche. Zum Glück hatte ich in meinem Slawistik-Studium Russisch gelernt.
Sokolow und einer der anderen Metzger umarmten sich. Ich drückte wieder auf den Auslöser meiner Kamera.
„Iwan, mein Freund, ich freue mich, dass du wieder da bist, alter Gauner!“, hörte ich den Metzger rufen.
„Geht mir ebenso“, antwortete Iwan. „Schönen Gruß vom Zaren. Ich soll dir ausrichten, dass wir nächste Woche vier Rinder für den Südmarkt schlachten sollen. Heute haben wir sechs Schweinehälften für den Südmarkt dabei. Und wie viele Schweine killst du für den Biomarkt?“
„Nur eines. Mir geht es tierisch auf den Geist, dass wir das Fleisch nicht gemeinsam verarbeiten können, weil der Biomarkt häufig Fleisch und Wurst in Labors kontrollieren lässt. Das ist verschwendete Arbeitszeit.“
„Dafür kontrolliert der Südmarkt nur die Papiere und nicht die Lebensmittel, so dass wir mit ihm den größten Gewinn machen können. Wer ist eigentlich der andere komische Typ?“
Iwan deutete auf Paul und lachte.
„Ein Schreiner, der nur kurz auf dem Hof bleiben wird, dann wandert er weiter. Er ist in Ordnung, braucht Geld und kann sein Maul halten. Ich habe ihn als Notlösung nehmen müssen, weil du Idiot mir erst heute früh gesagt hast, dass ein Mann deiner Truppe ausfällt. Ich war deswegen stocksauer. Das nächste Mal sorgst du selbst für Ersatz, Iwan!“
„Ein Schreiner nützt uns doch nichts, Maxim. Bist du blöd?“
„Ich brauche auch einen Helfer. Der muss nicht unbedingt Metzger sein. Außerdem ist der Kerl schlau. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Zar einen wie ihn brauchen kann. Für heute nehme ich ihn unter meine Fittiche.“
„Du wirst schon wissen, was du tust“, schloss Iwan das Zwiegespräch, pfiff laut und befahl „Ausladen!“
Die Metzger luden Schweinehälften aus, und Paul führte ein kurzes Gespräch mit Sokolow.
Eine Hand legte sich auf meine Schulter. Ich erschrak zu Tode, drehte mich schnell um und hätte Danijela beinahe auf die Nase geboxt. Zum Glück hatte ich sie gerade noch erkannt.
„Spinnst du?“, flüsterte ich. „Ich dachte, du bist auf dem Heuwagen. Los, schnell verstecken! Sokolow will jetzt ein Schwein aus dem Schweinegehege holen.“
Wir huschten hinter den Traktor. Sokolow und Paul gingen vorbei.
„Ich wollte dich doch nur fragen, ob du verstanden hast, was die gesprochen haben. Tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe, Stijepo“, rechtfertigte sich meine Frau leise.
„Ja, doch davon später. Sei jetzt still!“
Ein weiterer Golf war auf den Hof gefahren. Ihm entstieg ein Mann, der etwa in meinem Alter sein durfte. Auch von ihm und dem Auto schoss ich ein paar Aufnahmen. Weiterhin drückte ich mehrmals auf den Auslöser, als Sokolow das Schwein fing und dann zum Schlachthaus schleifte, wobei das Tier seine Todesarie laut quiekte.
„Das ist doch Tierquälerei, wie der das Schwein durch die Gegend zerrt!“, empörte sich Danijela als die Luft wieder rein war.
Wir kletterten wieder in unseren Wagen und legten uns ins Heubett, wo ich Danijela über den Dialog zwischen Sokolow und Iwan berichtete. Sie war entsetzt.
„Ich habe den Eindruck, dass der Zar ein Pate der Russenmafia ist, zu der auch Sokolow und Iwan gehören“, mutmaßte meine Holde. „Der Biomarkt erhält richtiges Biofleisch und der Südmarkt wird von der elenden Bande mit billigerem Fleisch betrogen. Unser Misstrauen gegenüber Bio-Produkten war also gerechtfertigt.“
„Bei Franken Biokost schon, wie wir jetzt wissen, aber auch nur, weil die ehrlichen Betreiber des Hofs vom Zaren erpresst werden. Ich glaube aber nicht, dass dies auch auf andere ökologisch arbeitende Betriebe der Umgebung zutrifft. Ich weiß nur noch nicht, wie wir dem Bauernehepaar helfen können. Dazu müssten wir den Zaren, Sokolow und vermutlich auch Ostrowski dingfest machen und der Polizei übergeben. Das heißt, wenn der Zar in ein oder zwei Tagen hier auftaucht, müssen wir auf eine passende Gelegenheit warten.“
„Du hast recht, Stijepo. Vielleicht hat Paul eine Idee.“
„Davon kannst du ausgehen. Schau, die Sonne geht unter. In einer guten Stunde ist es dunkel, und ich kann auch Bilder vom Schlachthaus schießen. Was für ein Glück, dass der Golf und der Kühlwagen direkt vorm Eingang stehen. Die bieten eine hervorragende Deckung, so dass ich auch die Metzger ohne Gefahr aufnehmen kann. Du bleibst diesmal aber wirklich auf dem Wagen versteckt, Danijela. Verstanden?“
Sie nickte ergeben und mahnte „Riskiere bitte nicht zu viel, Stijepo. Ich würde es nicht überleben, wenn dir etwas zustoßen sollte. Denk’ an mich!“
Ich zog meine Liebste eng an mich und strich tröstend zärtlich über ihr herrliches schwarzes, leicht gewelltes Haar.
Auf dem Heuwagen schmiegte sich Danijela eng an mich, ich legte meinen Arm um sie, und wir genossen wie ein jungverliebtes Paar das langsame Sinken der rotglühenden Sonne. Schließlich war der letzte helle Punkt unseres Muttergestirns verschwunden und das prachtvolle Farbenspiel der Dämmerung verzückte uns: schwarze Bäume am Horizont, ein orangener Streifen, der weiter oben lichter wurde und mehr in Gelb überging, darüber helles, zum Zenit hin dunkler werdendes Blau, in dem die ersten Sterne sichtbar wurden. Die wenigen Wolken in dunklem Violett boten einen beeindruckenden Kontrast. Danijela rannen zwei Tränen über ihre Wangen.
„Ich hoffe, uns, und vor allem dir, Stijepo, wird auch die Morgensonne wieder lachen.“
Ich küsste sie lange.
„Das Risiko für mich ist gering, und die Beweisfotos sind unerlässlich. Du erinnerst mich doch immer wieder daran, dass ich als Freimaurer dem Unrecht wehren muss.“
Danijela nickte, trocknete ihre Tränen, umarmte mich aber weiter fest.
Als es richtig dunkel war, zog ich meine schwarze Wintermütze mit den Löchern für Augen und Mund über. Ich trug Jeans, ein dunkles Sweatshirt und meine schwarze Lederjacke, so dass ich in der Nacht nur schwer zu erkennen sein dürfte. Das Anschleichen an die Autos war leicht, doch eine Deckung zum Fotografieren zu finden war eine echte Herausforderung. Nachdem ich auch das Kennzeichen des Kühlwagens fotografiert hatte, beschloss ich, mich hinter diesem flach auf den Boden zu legen. Meine Kleidung war zwar innerhalb weniger Sekunden durch den vom Regen noch schlammigen Boden durchweicht und verschmutzt, aber das musste eben hingenommen werden. Dafür konnte ich das Treiben im Schlachthaus hervorragend beobachten und ein paar Bilder schießen.
Die doppelflügelige Tür war weit geöffnet. Das Innere war hell erleuchtet, und der Lichtschein verbreitete sich bis zu den Autos. Unmittelbar hinter der Tür zerlegte Sokolow seine Schweinehälfte, und Paul legte die Fleischteile auf dem daneben stehenden Edelstahltisch ab. Die anderen russischen Metzger arbeiteten weiter hinten. Schlachtgeruch, vermischt mit dem Dunst gekochten Fleisches, kam mir in die Nase – nicht gerade der angenehmste Duft.
Nun wollte ich mehr den Hintergrund mit den russischen Metzgern fotografieren, aber die Froschperspektive aus der Bauchlage war dafür denkbar schlecht geeignet. Ich erhob mich, trat an die der Schlachthaustür abgewandten Seite des Kühlwagens und lugte um dessen Ecke. Super! Wenn ich mich nur ein wenig vorbeugen würde, könnte ich die gewünschten Aufnahmen machen. Viermal hatte ich auf den Auslöser gedrückt, als ein Russe mit ausgestrecktem Arm auf mich deutete und „Da fotografiert einer!“ brüllte.
„Spion!“ rief Sokolow in der gleichen Lautstärke und stürmte auf mich zu.