Der Tempel der Bastet
Zwei besorgte Elternpaare beauftragen den Fürther Privatdetektiv Paul Jonas, herauszufinden, wo sich ihe 14-jährigen Söhne nachmittags herumtreiben. Beide machen in letzter Zeit einen geistig abweseden Eindruck und haben an der Schule kein Interesse mehr.
Die Spur führt in einen geheimen Swingerclub im altägiptischen Stiel, der Bastes Tempel genannt wird. Jona schleust sich undercover ein.
Übersetzer und Hobbydetektiv Stijepo Bistic hatte nach seinem letzten Fall mit seinem Sohn Marco gewettet, dass er bis zu dessen 18. Geburtstag nicht mehr ermitteln wird.
Doch was bleibt ihmanderes übrig, wenn sein Freund Paul Jonas wegen angeblicher Vergewaltigung in U-Hasft sitzt?
Je weiter die beiden Freunde bei ihren Ermittlungen vorstoßen, desto mehr tauchen sie in einen Sumpf au Prosdition, Mord und Korruption ein.
Das Detektivduo erhät Untersdtüzung von Stijepos Sohn Marco uns Computerfreak Thorsten Grübel.
Bei ihrem Kampf gegenden Swingerclub Bastes TEmpel müssen sie alle Register ziehen.
Erschienen 2023 bei BOD 232 Seiten 10,99 €, E-Book 7,49 €
ISBN Nr. 9783748158974
Leseprobe
Kapitel 15: Paul Jonas bewirbt sich im Swingerclub
Um im geheimen Swingerclub „Bastets Tempel“ undercover ermitteln zu können, bewirbt sich Privatdetektiv Paul Jonas (bis zur Unkenntlichkeit verkleidet) als „Tempeldiener“.
„Ein Kumpel von Ptahor. Er will seinen Job machen“, stellte mich Thotmes vor.
Swingerclubchefin Sachmet musterte mich skeptisch.
„Der Jüngste bist du ja nicht mehr, und deinen Frisör kannst du auch auf Schmerzensgeld verklagen. Wie alt bist du?“
„42!“, log ich. „Und noch gut in Schuss.“
„Weißt du schon was deine Aufgaben sind?“
„Eingangskontrolle, beim Ritual den Tempeldiener spielen, Helfen, wo es erforderlich ist, und geheime Wünsche von Damen erfüllen.“
Der letzte Punkt der Aufgabenliste schmeckte mir überhaupt nicht. Ich wollte mich nicht prostituieren und hoffte, dass ich mich während meiner Arbeit in Bastets Tempel irgendwie aus der Affäre ziehen konnte, sollte eine Besucherin sexuelle Dienstleistungen von mir wünschen.
Mittels Pokerface konnte ich meine Bedenken gegenüber Sachmet verbergen. Sie setzte das Einstellungsgespräch fort.
„Wann hast du Ptahor getroffen?“
„Gestern in der Stadt. Er war ziemlich mies drauf, weil er seinen Job los ist. Wir haben uns bei einem Kaffee etwas unterhalten. Er hat gemeint, der Job wäre etwas für mich, und ihr braucht dringend einen zweiten Tempeldiener fürs Ritual.“
„Kennst du dich in der ägyptischen Kultur aus?“
„Wenig, obwohl mir Ptahor schon ein bisschen davon erzählt hat. Ich weiß, dass Bastet und Sachmet zwei gegensätzliche Göttinnen sind, die miteinander verschmelzen.“
„Den Rest lernst du schon noch. Nefertari wird dich einweisen. Sie hat mal Ägyptologie studiert. Mach mal deinen Oberkörper frei.“
Ich gehorchte und reckte meine Brust gehörig heraus.
„Da hätte ich etwas mehr erwartet. Ptahor hast du sicher nicht im Fitnessstudio kennengelernt. Du hast zwar Muskeln, musst aber an deinem Körper noch gehörig arbeiten. Sprich deswegen mal mit Ptahor. Auf dem Gebiet kennt er sich bestens aus.“
„Mach’ ich.“
„Wir arbeiten sechs Tage pro Woche, und ich erwarte, dass du spätestens um 16 Uhr hier bist. Du bekommst ein Zimmer in der dritten Etage zum Frischmachen und Umkleiden. Pro Tag bekommst du 100 Euro. Für Sonderwünsche verlangst du 600, die Hälfte davon gehört dir. Du wirst also gut bezahlt. Dafür erwarte ich absolute Loyalität und Diskretion. Gib unsere Adresse also nur an gute Bekannte weiter. Wir wollen nicht öffentlich bekannt werden und machen keine Werbung.“
„Okay!“
„Und jetzt komm’ mit, ich will sehen, ob du als Mann etwas taugst.“
Mist, ich wollte Nicoletta nicht betrügen. Auf der anderen Seite musste ich unbedingt mehr über die Vorgänge in Bastets Tempel erfahren, um zu sehen, wer vom Personal alles auf die Anklagebank gehörte. War es unter diesen Gesichtspunkten ein Fremdgehen? Wohl eher nicht.
Nicoletta hatte mich wirklich vollkommen verwandelt. Solche Gedanken wären mir früher nie gekommen. Ich hätte mit Hochgenuss an Sachmets Aufnahmeprüfung teilgenommen und mein Bestes gegeben. Sie war sehr attraktiv und hatte eine Topfigur, obwohl sie ein wenig älter als ich sein durfte.
Ich ließ mein Hemd offen, legte meine Jeansjacke über die Schulter und folgte ihr. Als sie die Tür geöffnet hatte, trat sie erschrocken einen Schritt zurück.
Ein Mann stand davor: dunkler Anzug, groß, mittlere Figur mit leichtem Bauchansatz, graues, streng nach hinten gekämmtes Haar und Hornbrille.
„Edgar!“, rief sie freudig.
„Hallo Petra, Schwesterherz! Hast du Zeit für mich? Wir müssen dringend etwas besprechen.“
Sachmet wandte sich kurz an mich.
„Nefertaris Zimmer ist das letzte links im dritten Stock. Sie soll dir heute und morgen einen kulturellen Crashkurs verpassen. Ich erwarte dich morgen um 14 Uhr. Wenn du gut bist, hast du den Job, und wir können übermorgen wieder öffnen. Das wäre dann dein erster Arbeitstag.“
„Ich werde pünktlich sein. Ciao, Sachmet.“
„Komm rein!“, sagte sie zu Edgar und schloss die Tür hinter ihm.
Nur ein lausiger Schnüffler hätte jetzt sein Ohr nicht an die Bürotür gelegt, und Privatdetektiv Paul Jonas gehörte nicht in die Kategorie der Lausigen.
„Wer war denn das?“, hörte ich Edgar fragen.
„Ein eventueller Nachfolger für Ptahor, aber ich muss morgen erst sehen, ob er etwas taugt.“
„Sei bloß vorsichtig, dass du dir mit ihm keine Ratte ins Haus holst. Der falsche Investor hat sich ja auch als Detektiv entpuppt. Zum Glück ist er rechtzeitig aufgeflogen. Du hast sehr klug gehandelt, indem du ihn angezeigt hast.“
„Der Detektiv war dunkelblond, hatte mittellanges Haar und blaue Augen. Der ist es jedenfalls nicht. Außerdem sitzt der falsche Hund zurzeit ein. Ich weiß auch noch nicht, ob ich den Neuen einstelle. Er ist mir zu alt und hat keine Muskeln. Wenn ich einen besseren Tempeldiener finde, schmeiße ich ihn wieder raus. Was willst du mit mir besprechen?“
„Die Sache wird immer heißer. Ich weiß nicht, wie lange ich dich noch schützen kann.“
„Darüber haben wir ja schon gesprochen und einen Notfallplan entwickelt. Wenn du Alarm gibst, ist der innerhalb eines halben Tages umgesetzt. Das macht mir keine Sorge, aber Bastet wird immer verrückter, und wir sind total zerstritten, seitdem ich Ptahor entlassen habe. Sie hat sogar behauptet, dass ich für sie die gleiche Gegenspielerin sei wie der Schlangengott Apophis für den Sonnengott Re, wenn er in der Nacht auf seiner Barke durch die Unterwelt fährt. Irgendwie trifft das ja auch zu. Aber sie ist die Inhaberin, und ich bin nur die Geschäftsführerin. Ich muss sie irgendwie loswerden. Es muss doch die Möglichkeit geben, sie in die Klapse einweisen zu lassen.“
„Würde sicher klappen, da sie ja wirklich wahnsinnig ist. Aber die Sache würde viel Staub aufwirbeln. Die Diskretion des Clubs wäre damit dahin.“
Ich hörte Schritte auf der Treppe, weshalb ich meine Lauschaktion abbrach und suchend auf dem Flur umherlief.